Preisverleihung des materialPREIS 2017

im Hospitalhof Stuttgart

Die Preisverleihung fand am Mittwoch, 21. Juni 2017 in der mehrfach ausgezeichneten Architektur des Hospitalhof Stuttgart statt. Es war ein wunderbarer, gelungener Abend mit glücklichen Preisträgern und vollem Paul-Lechler-Saal.

Vor der Veranstaltung hatten Preisträger, Juroren und Sponsoren die Möglichkeit einander kennenzulernen und einen Eindruck des besonderen Ensembles des Hospitalhofs aus Hospitalkirche, Verwaltungsbau und Innenhof zu gewinnen. Pfarrerin Monika Renninger, ihres Zeichens Leiterin des Evang. Bildungszentrums Hospitalhof Stuttgart – und somit Hausherrin -, führte durch die bemerkenswerte Architektur.

Hannes Bäuerle startete die Preisverleihung mit einem Rückblick auf den materialPREIS, der seit seiner ersten Auslolbung 2013, damals als Auszeichnung für besondere Materialien, zu einem renommierten Wettbewerb für Hersteller und Planer avancierte. 2017 nun fokussierte der materialPREIS die Gestaltung: Architektur und Innenarchitektur. 280 Einreichungen trugen zum diesjährigen Erfolg des Wettbewerbes bei, der neben neuer Homepage und neuen Kategorien zum ersten Mal auch ein Publikums-Voting mit sich brachte.

Die Preise (Preisgelder, Pokale und Urkunden) gingen in diesem Jahr in 5 Länder, insgesamt haben Büros aus 14 verschiedenen Nationen am materialPREIS 2017 teilgenommen. In 4 Kategorien wurden je 3 Auszeichnungen vergeben. Besondere Wertschätzung erfuhren drei Hochschularbeiten, die die Fachjury mit Anerkennungen belobigt. Jutta Blocher, Amandus Sattler (vorgetragen von Hannes Bäuerle), Matthias Siegert und Prof. Dagmar Eisermann kommentierten ihre Juryarbeit und die Leistung der Preisträger und überreichten mit den Sponsoren die Auszeichnungen und Anerkennungen an die 15 Preisträger , die sich sichtlich über ihren Gewinn freuten.

Der Preisverleihung folgte ein kulinarischer Ausklang. Wein und Sekt von der Saar brachten Preisträger und Gäste, Sponsoren und Gastgeber zusammen… so heiter das Wetter, so heiter eine erfolgreiche Veranstaltung…

Hospitalhof Stuttgart

Architektur von Lederer Ragnarsdóttir Oei Architekten, Stuttgart

Auch heute noch ist das rechtwinklige Raster erkennbar, mit dem sich das Hospitalviertel von der früher schiefwinkeligen Struktur der Altstadt unterschied. Das „Hospital“ selbst, also das ehemalige Dominikanerkloster mitsamt seiner Kirche, kennzeichnete an dieser Stelle durch seine Größe und die Ostung der Kirche den besonderen Straßenraum. Ausschlaggebend für den Neubau war die Rückführung der Baumassen auf die ehemaligen Fluchten des Klosters, also die Verdrehung der Anlage im Stadtgrundriss. Der Torso der Kirchenwand wurde auf die ursprüngliche Ausdehnung verlängert, um an den ursprünglichen Zusammenhang mit dem Platz davor wenigstens zu erinnern.

Die gewünschten Nutzungseinheiten, wie die Säle und Räume für das Evangelische Bildungszentrum, sowie die Flächen für die Verwaltung, ordnen sich entlang der neu definierten Fluchten des historischen Planes. Die Mehrzahl der Konferenz-, Gruppen- und Besprechungsräume liegen im Erdgeschoss entlang des L-förmigen Foyers. Hier ist auch der Platz für die Kunstausstellungen, die im Programm des Hospitalhofes bislang ein wichtiger Baustein waren. Der Saal im Obergeschoss ist der Kern der Anlage, um den sich die anderen Räume im Grundriss und Schnitt gruppieren. Er hat ein eigenes Foyer und zeichnet sich durch ein großes Oberlicht aus, durch das der Raum reichlich mit Tageslicht versorgt wird. Auch kommt der nahezu quadratische Grundriss dem Wunsch nach vielfältiger Nutzung entgegen.

Der Innenhof, der sich am ursprünglichen Kreuzgang orientiert, gliedert sich zum einen in die Fläche, die dem ehemaligen Kirchenraum entspricht und zum anderen in den Freiraum, der sich mit dem Foyer des Hospitalhofes ebenerdig verbindet. An den Stellen, wo früher die gotischen Säulen das Gewölbe des Mittelschiffs trugen, wurden schlanke hochwachsende Bäume gepflanzt. Hier können bei sommerlicher Witterung Feiern und Gottesdienste im Freien stattfinden.

Die äußere Erscheinung des Gebäudes ist durch das Mauerwerk aus hellen Ziegeln in 25 mm geprägt, die den handwerklichen Charakter unterstreichen. Die Stoßfugen wurden ohne senkrechte Mörtelfugen verarbeitet. Vertraut und dennoch neu: in dieser Balance sehen wir die Fassaden, so wie diese Eigenschaft auch die Innenräume prägen soll. Deshalb sind Decken, Wände und Böden aus Materialien, die wir nicht nur gewohnt sind, sondern die auch durch ihre Fügung den handwerklichen Charakter ausmachen.
Bei den Materialien kamen vorwiegend natürliche Baustoffe mit kurzen Transportwegen und Reparaturfähigkeit zur Wahl: Ziegelverblendschale aus hellen Klinkern, Holzfenster in Eiche (in den Obergeschossen in Holz-Alu-Ausführung), Kupferverwahrungen. Im Inneren Linoleum und Natursteinböden, Gipsputz und Wand- und Deckenverkleidungen aus Holz im großen Saal.

Die Fenster erhielten kleine Dächer, die auch bei Regen im Sommer eine Nachtlüftung ermöglichen und die textilen Markisen schützen. Die Außenwand des Saales, die sich durch 39 Bullaugen von den übrigen Fassaden unterscheidet, erhielt auf der Grundlage der thermischen Berechnungen der Ingenieure, feststehenden und aus Beton gegossene Hutzen. Im Innenraum des Saales werden die Lichtaugen durch jeweils zwei halbrunde Klappen aus Holz verschlossen, die sich wie Schmetterlingsflügel auf- und zuklappen lassen. Die gesamte Rückwand der Bühne sind aus bernsteinfarbenem Ahornholz, der Boden ist mit rotem Linoleum ausgelegt und über den hohen, tageslichtdurchfluteten Saal zieht sich eine geschwungene Lamellenholzdecke.

Zur Eingangsseite hin öffnet sich das Gebäude mit drei Erkern, die für das Foyer zum Saal mit Sitznischen aus Holz ausgestattet sind. Die Fassade zur Haupttreppe neben dem Haupteingang ist weitgehend geschlossen. Drei kastenförmige Fenster belichten den ganz in weiß versehenen Treppenraum seitlich mit Licht. Zusätzliche Oberlichter sorgen dort für genügend Helligkeit. Weiß verputzte Brüstungen lenken das Tageslicht bis in die Eingangsebene. Alle Fenster der Verwaltungsräume haben dasselbe Maß. Es handelt sich dabei um Eichenholz- Alukonstruktionen. Im Erdgeschoss, wo eine Pflege der Außenseiten besser möglich ist, ist auch außen das Holz sichtbar belassen.

Die Geschlossenheit der Fassade, außenseitig Ziegel, innenseitig Stahlbeton, sichert eine gewisse Trägheit der Massen, was vor allem im Sommer zu angenehmen thermischen Werten im Innen führt. Vor allem aber gefällt uns bei dieser „altmodischen“ Konstruktion die Dauerhaftigkeit, wie auch der geringe Unterhaltungsaufwand gegenüber Glasfassaden.
Fotograf: Roland Halbe, Stuttgart